Der Streuobsttag……

Äpfel warten auf die Presse
Streuobsttag

 

Gewinnung von Saft mit der mobilen Obstpresse

Eine der möglichen Nutzungen der Ernte von Obstbäumen bzw. einer Streuobstwiese ist das Pressen von Obst, hier das Verarbeiten von Äpfeln zu Saft! Seit seiner Gründung in 2011 bietet der Verein an, dass Menschen aus der Region ihre Äpfel an einem in den Medien veröffentlichten Termin im Herbst nach Antweiler zu einer mobilen Presse bringen können – mit Voranmeldung zu festen Zeiten oder auch ohne Voranmeldung mit Wartezeit, um ihre eigenen Äpfel zu Saft verwerten zu lassen. Die Äpfel werden in Kisten im Kofferraum von Privatwagen und in Wäschekörben auf den Anhängern von Traktoren gebracht.

Dann geht es los!

Die Qualität der Früchte bestimmt die spätere Qualität des Saftes! Also sollte das Obst sauber und ohne faule Früchte sein, umso besser bzw. aromatischer wird der Saft, vor allem wenn verschiedene Apfelsorten vermischt werden. Die Betreuer der mobilen Pressanlage nehmen eine Sortierung nach immer noch ungeeignetem Obst („faule“ Äpfel) vor. Die Anlage hat eine Wascheinheit, in der die Äpfel kräftig gereinigt werden. Nach dem Waschen werden die Äpfel automatisch zerkleinert und landen auf einer Packpresse. Der aus der Maische gepresste Saft läuft weiter zum Pasteurisator. Hier wird der Saft schonend auf etwa 80° C erhitzt und anschließend heiß abgefüllt, um die natürlich vorkommenden Hefen zu neutralisieren. Sonst würde der Saft in eine natürliche Gärung übergehen und (Apfel-)Wein entstehen. Hierdurch wird der Saft auch haltbar gemacht … ganz ohne weitere Zusätze.

Zum Abfüllen verwenden die Betreiber Kunststoffschläuche mit Zapfhahn für 5 bis 10 l Inhalt. Diese kommen in einen Karton. Die Abkühlung sollte zu Haus möglichst schnell in einem kühlen Raum oder in einer Kühlanlage erfolgen. Das BAG-IN-BOX System bietet viele Vorteile, denn einmal angebrochen ist der Saft mindestens 6 Wochen haltbar, da keine Luft eindringen kann. Als unangebrochenes Gebinde kann der Saft problemlos bis zur nächsten Erntesaison aufbewahrt werden. Zum Lagern wird nicht viel Platz benötigt und es entsteht kaum Abfall, denn der Karton kann im nächsten Jahr wiederverwendet werden.

Hinweis: Wer lieber mit guten Gründen Obstsäfte in Flaschen abgefüllt haben mag, der kann das an einer stationären Obstpressanlage vornehmen lassen. Adressen wohnortnah bitte anfragen: info@streuobst-eifelahr.de

Anlage einer Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof am Samstag den 16.11.2019

im Rahmen einer Baumpflanzung mit 30 Baumpaten und einer kleinen Festivität.  (Bericht folgt!)

Jährliches Angebot von jungen Obstbäumchen für private Haushalte

Angebot zum Erwerb von Obstbäumchen

Herbstzeit ist nicht nur Erntezeit, sondern auch aktive Zeit zum Pflanzen von jungen Obstbäumen. Der Streuobstverein „Eifel/Ahr e.V.“ ruft seit seinem Bestehen jährlich zur Bestellung von 2-3 jährigen Bäumchen verschiedener Arten und Sorten auf. Nachfragen für 120 bis zu 150 Pflanzen gehen jedes Mal ein, die von der Baumschule Neuenfels (http://www.baumschule-neuenfels.de) aus Königswinter geliefert werden. Nach dem Abladen werden die Bäumchen nach Bestellung sortiert und den Bestellern am gleichen Tag ausgehändigt, die ihre Pflanzen in der Eifel in Antweiler oder Leimbach-Adorferhof abholen.

Gute Ratschläge für die weitere Behandlung der „lebenden“ Ware werden mitgeliefert: Die Bäume wurden am gleichen Morgen oder abends zuvor in Königswinter aus der Erde genommen, sind wurzelblank und teils mit langen Trieben und noch mit Laub versehen. Die Triebe müssen nach dem Einbringen in die Erde (erheblich) gekürzt werden. Das gilt auch und gerade für den Leittrieb in der Mitte (Stammverlängerung), die anderen Triebe müssen noch stärker gekürzt werden, so dass die Äste in der kleinen Krone insgesamt eine Art von Waage mit optischem und physikalischem Gleichgewicht bilden. Die freiliegenden größeren, Wurzeln müssen angeschnitten werden, die feinen Saugwurzeln müssen unbeschädigt bleiben. Das Bäumchen sollte möglichst schnell in das Pflanzloch von etwa 80cm mal 80cm und ebensolcher Tiefe mit lockerer Erde umgeben sein, die nachher mit dem Fuß „locker“ festgetreten wird – der Stützpfahl für den Baum sollte vorher eingeschlagen sein, damit die Wurzeln unbeschädigt bleiben. Eine Nacht im Wasser oder mehrere Tage eingeschlagen in lockere Erde überstehen die Pflanzen ohne Probleme, doch dann ist es Zeit für das Einpflanzen. Der Herbst ist für die meisten Fachleute die bessere Zeit dafür, weil die Wurzeln allein die Aufgabe haben, sich mit Sauerstoff aus der Erde zu versorgen. Hingegen kommt im Frühjahr die weitere Versorgung mit Nährstoffen in der Krone dazu, also insgesamt dann eine größere Belastung, die dem Baum im Herbst erspart bleibt.

Der Streuobstverein hat seit seinem Bestehen 2011 gut 1200 junge Bäume in der Region ausgeliefert –eine ökologisch wichtige Maßnahme und auch für junge Menschen ein lohnendes Ziel, so auch für Christine Hiersekorn aus Nürburg, die etliche Pflanzen für ihre Wiesenfläche brauchte und auch bekam.

 

Baumschnittkurse durch den Streuobstverein

Eine der wichtigen Aktivitäten eines Vereins, der sich um Obstbäume kümmert, ist die Pflege von jungen und alten Bäumen, damit sie gesund bleiben und Obst in der erwarteten Größe und Menge im Laufe der Jahre – und jedes Jahr sicher anders – tragen.

Baumschnittkurse gehören zu dieser Pflegearbeit!

Dem ersten Kurs in 2011 in Antweiler an Gilligs Mühle (http://www.antweiler-muehle.de) folgten nahezu jährlich weitere an anderen Orten, in 2020 wird es wieder weitergehen (Informationen: info@streuobst-eifelahr.de).  Ein Bericht über den ersten Kurs mag für viele stehen: An einem teils sonnigen, dennoch nicht ganz warmen Samstagmorgen konnte der neue Streuobstwiesenverein „Ahr/Eifel“ etwa 20 interessierte Frauen und Männer begrüßen, die alle nur eines wollten: Wie kann ich meinem Baum Gutes tun? Wie schneiden oder doch nicht schneiden? Beredte Antworten theoretischer und praktischer Art gab Hildegard Frings, Agraringenieurin und Gärtnerin aus Nettersheim. Seine Wiese mit alten und relativ neuen Obstbäumen hatte Ewald Gillig, Besitzer der Mühle in Antweiler, dankenswerterweise zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt.

Vor der aktiven Arbeit standen einige theoretische Überlegungen zur Diskussion: Warum überhaupt schneiden, geht es nicht ohne? Klare Antwort von Frings: „Die Natur ist nicht darauf angelegt, dem Menschen möglichst viel schönes, großes Obst zu bescheren, sondern allein auf Fortpflanzung, auf Vermehrung – auch und gerade über kleine Früchte in großen Mengen, für den Menschen wirtschaftlich wenig interessant.“ Also macht sich der Mensch daran, die Menge über den Baumschnitt zu begrenzen, die Früchte somit zu vergrößern, sie für den Menschen nutzfähig zu machen. Eindeutiger Schluss: Wer das nicht will, der kann für die Natur, für die Vögel, für die Vermehrung viele Früchte am Baum zulassen, der braucht keinen Baumschnitt! Hinweise auf notwendige und gute Werkzeuge, auch einige „Trockenübungen“ an Ästen sowie Anmerkungen zur Sicherheit beim Baumschneiden rundeten die Theorie ab … alle waren gespannt auf den praktischen Teil. Ganz alte Bäume und etwa 3 bis 10-jährige Bäume standen zum Schnitt zur Verfügung. Ganz wichtig für alle: Betrachten des Baumes von allen Seiten, Überlegungen anstellen, wie soll der Baum in 5 Jahren, 10 Jahren oder noch weiter hinaus aussehen? Schneiden heißt: Ich zwinge dem Baum ein Gesicht auf! Die Auffassung „besser falsch schneiden als gar nicht“, lässt bei manchem Teilnehmer den Mut beim und zum Schnitt aufkommen!

Auch wenn nicht alle mit dem „gemeinsamen“ Ergebnis am 10-jährigen Baum aus ästhetischen Gründen zufrieden waren, die Notwendigkeit zum Schnitt wurde eingesehen – das Ergebnis lässt sich in zwei bis drei Jahren sehen. Am Nachmittag sahen zwei alte, ein 10-jähriger und ein 3-jähriger Baum recht verändert aus, die Zustimmung zu dem Kurs war bei allen hoch und Vorsitzender Peter Richrath konnte neue Mitglieder für den Verein gewinnen.

 

Lebensraum: Die Streuobstwiese – Paradies aus zweiter Hand

Die Streuobstwiese ist als traditionelle, arbeitsintensive Anbauform unter rein wirtschaftlichen Aspekten von heute sicher schon lange nicht mehr lohnenswert. Die immer stärkere Intensivierung in der europäischen Landwirtschaft hat zu einem monokulturellen Obstanbau in Plantagen geführt. Preislich günstigeres Importobst aus teils weit entfernt liegenden Regionen der Welt verdrängt einheimisches Obst aus regionalem Anbau und führt zu mangelnder Rentabilität von Streuobstwiesen. Unser zwischenzeitliches Konsumverhalten mit der Erwartung von äußerlich und damit optisch makellosem und gleichmäßigem „Obst im Sechserpack“ aus dem Supermarkt lässt das natürlich und damit ungleich gewachsene Obst der Streuobstwiesen dagegen verblassen. Daher ist der Bestand an Streuobstwiesen in Deutschland seit 1951 um etwa 75% zurückgegangen. Streuostwiesen stehen heute auf der Roten Liste der am stärksten gefährdeten Biotop-Typen in Europa. Neben der großen sozialen und landschaftsprägenden Bedeutung bieten sie insbesondere mit ihrem speziellen Lebensraum einen sog. „Trittstein“ für zahlreiche gefährdete Tierarten. Zudem sind die alten Obstsorten ein wichtiges Kulturerbe, das es zu erhalten gilt – wenn wir denn an der Wiederherstellung bzw. am Erhalt eines gut funktionierenden Ökosystems wirklich Interesse haben.

 Eigentlich aber gar keine Frage, denn wohl oder übel sind wir alle in die Mensch-Umweltbeziehung eingebunden: Jeder Schaden, den wir unserem Mensch-Umwelt-System   zufügen, fällt über kurz oder lang auf uns zurück, in welcher Form auch immer!

Mit Blick auf das Artensterben – speziell auf die Insekten – ist die Streuobstwiese sicher nur ein kleiner, aber ganz wichtiger Ausschnitt aus dem Spektrum der Gegenmittel.

Überwiegend legen Grundstückseigentümer oder Pächter heute einzelne Obstbäume oder kleinere Streuobstwiesen nur noch im kleinen Rahmen an und wollen das Obst für den Eigenbedarf ernten: manchmal nur zum Essen, zur Herstellung von Gelees, zum Saftpressen oder zur Herstellung von Obstbränden. Schon lange ist klar, dass Streuobst bzw. eine neu angelegte Streuobstwiese nur Zukunft hat, wenn zumindest eine „kleine“ wirtschaftliche Nutzung entwickelt wird. Zahlreiche Streuobst-Initiativen basteln seit Jahren an Plänen, wie sie die Bewirtschaftung, Verwertung und Vermarktung von Streuobst wieder attraktiv machen können. Bisher zeichnen sich nur bescheidene Erfolge ab. Für die (Neu-)Anlage und die Erhaltung der Streuobstwiesen sind nach wie vor finanzielle Hilfen von außen notwendig: Naturschutz-Organisationen, Fördermittel der Länder sowie private Spenden und helfende Hände aus den umliegenden Dorfgemeinschaften sowie umweltpädagogische Veranstaltungen machen die Pflege und Neuanpflanzung von Obstbäumen erst möglich.

Obstanbauer Helmut Krüger aus Ahrbrück/Ahr klärt auf … draußen und drinnen!

 

Die Streuobstwiese: Tummelplatz der Artenvielfalt

Streuobstwiesen sind vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften. Eine Form des Obstbaus, die auf Mehrfachnutzung angelegt ist. Die hochstämmigen Bäume, die meist verstreut oder auch in Reihe in der Landschaft stehen, tragen unterschiedliches Obst, wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Walnüsse. Die Wiese kann als Weideland genutzt werden. Ein weiteres Merkmal ist die extensive Bewirtschaftung. Es werden in der Regel kaum Dünger und Pestizide eingesetzt. Zwar wurde bereits im Mittelalter Obstbau schon professionell betrieben, so richtig ging es mit den Streuobstwiesen aber erst im 18. und 19. Jahrhundert los.

Ältere Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen ganz Mitteleuropas. Sie bieten beste Voraussetzungen für eine hohe Artenvielfalt. Die Nährstoffknappheit durch die fehlende Düngung und die nur zwei Mal im Jahr stattfindende Mahd bewirkt, dass keine Pflanzenart überhand nehmen kann. So können zahlreiche Arten nebeneinander existieren. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten können auf einer Streuobstwiese festgestellt werden. Je nach Bodentyp kommen ganz unterschiedliche Pflanzengesellschaften vor. Die vielen unterschiedlichen Pflanzenarten locken wiederum viele Tierarten an: Insekten, kleine Säugtiere, Amphibien und Reptilien. So reiht sich ein Kleinbiotop an das andere. In der „oberen Etage“ bieten die verstreut stehenden Obstbäume verschiedenen Tierarten Unterschlupf. Typische Vogelarten sind Steinkauz oder Grün- und Buntspecht. Im alten, knorrigen Obstbaumgehölz finden auch Fledermäuse und Siebenschläfer Unterschlupf, unter den Rindenritzen im Baumstamm können sich Hornissen einnisten.

Blindschleiche
Blindschleiche
Totholzhaufen
Totholzhaufen

 

Produkte von der Streuobstwiese

Streuobstwiesen gelten als Art „Arche Noah“, also als eine Art „Überlebensinsel“ für alte Obstsorten. Mehr als 1200 Apfelsorten, 1000 Birnensorten, 250 Kirschsorten und 320 Zwetschgensorten sind bekannt – nur ganz wenige sind im Handel zu finden. Sie schmecken nicht nur wunderbar aromatisch, sondern tragen auch noch so einprägsame Namen wie „Schafsnase“, „Gute Luise“ oder „Lederhosenbirne“. Auch die Walnuss und der Speierling sind typische Streuobstwiesenvertreter, nicht zu vergessen die Traubenkirsche. Über Jahrhunderte haben sich durch Kreuzungsversuche oder Zufallssämlinge Sorten entwickelt, die einen besonders guten Geschmack oder andere Vorteile hatten. Manche Sorten eignen sich vorzüglich als Tafelobst, andere sind besonders resistent gegen Pilz- und Schädlingsbefall. Manche sind sehr gut lagerfähig, manche für die Herstellung von Marmeladen oder Gelees bestens geeignet, andere sind ideal als Belag für Kuchen oder zur Herstellung von Most. Neben all dem Obst ist auch Honig ein typisches „Neben“-Produkt der Streuobstwiese. Gerne bauen Imker ihre Bienenvölker, die vor allem auf die Apfelblüte „fliegen“, neben einer Streuobstwiese auf.

Antransport der Äpfel mit dem Traktor
Apfelsaft … fertigmachen zum Abtransport

 

Hat die Streuobstwiese eine Zukunft?

Ob Streuobstwiesen eine Zukunft haben, hängt maßgeblich davon ab, ob genug Menschen dazu bereit sind, Zeit und Energie in die Pflege zu investieren. Dazu gehört der fachgerechte Baumschnitt. Der ist notwendig, sonst vergreisen die Bäume früh. Zweimal pro Jahr muss gemäht und das Obst im Herbst geerntet werden. Was früher selbstverständlich war, ist heute zur zeitintensiven und unrentablen Herausforderung geworden. Doch mittlerweile besinnen sich wieder viele Menschen auf den Wert regionaler Erholungsräume. In einigen Städten gibt es inzwischen Streuobsterlebniszentren oder Streuobstpfade. Manche Schulen legen neben ihren Schulgärten inzwischen auch Streuobstwiesen an. Nur wenn das Wissen um die Bedeutung und Pflege dieser wertvollen Biotope auch den nächsten Generationen erhalten bleibt, hat die Streuobstwiese auch in Zukunft eine reale Chance zum Erhalt in unserer Kulturlandschaft.

Kerstin Bartels aus Insul/Ahr schaut als Baumpatin neben ihrem neu gepflanzten Baum gelassen in die (sonnige) Zukunft … der Streuobstwiese des Streuobstvereins „Eifel/Ahr e.V.“

 

Paradies aus zweiter Hand

– Vom Fichtenforst zur Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof –

 

Das Projekt zum Standortmarketing in der Verbandgemeinde Adenau hat im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts eine Gruppe von Menschen in der Hocheifel zusammengebracht, die großes Interesse an der Entwicklung ihres Heimatraumes als Natur- und Kulturraum hatte.

Aus dieser Gruppe heraus kam der Vorschlag zu Gründung eines Vereins, der sich um Streuobstwiesen, die es in einzelnen Orten in der Hocheifel verstärkt an der Ahr gibt, u.a. in Insul und in Antweiler. Höhenlage, Klima, Boden und Relief befördern nicht gerade Streuobstwiesen in großem Stil. Einzelne Bäume und Baumgruppen, vor allem mit Apfelbäumen, setzen Akzente in der Landschaft. Die Eifel hatte ehemals den Beinamen oder Spottnamen „Sibirisch Preußen“ von den damals aus Berlin abkommandierten Militärs bekommen. Und das weniger wegen des Klimas, sondern wegen der Abgelegenheit von der mondänen und dann doch so fernen Metropole Berlin – und mithin dem Mangel an kulturellem Leben im Vergleich von großstädtischem und ländlich-dörflichem Verhalten in der Provinz!

Auch nach dem zweiten Weltkrieg zeichnete sich die dörfliche Wirtschaftsstruktur in der Hocheifel durch kleine „Bauernhöfe“ mit kleinteilig parzelliertem Ackerbau und etwas Tierhaltung aus. Die Nutzung von im Wesentlichen mit Fichten bestanden und ererbten, kleinen Flächen ergänzte das karge Einkommen bzw. ergab Nutzholz zum Verfeuern in den vielen Holzöfen – bis heute ein wichtiger Bestandteil in vielen (älteren) Häuser in der Hocheifel. Die Anpflanzung von weiteren Flächen mit Fichte war in den 1950er Jahren Teil der (vermeintlichen) Zukunftssicherung für die Kinder und Enkel.

Die heute 50 bis 60-jährigen Bäume an für die Fichte meist ungünstigen Flächen in den Talauen sind für die Erben in der Eifel eben keine Zukunft geworden, zumal auch die Enkel in dieser Form der Zu- oder Nebenerwerbswirtschaft keine Zukunft sehen (können) – der Klimawandel trägt sicher seinen Teil zu der ungünstigen Entwicklung in den letzten Jahren beim Nadelholz bei.

Dieser Teil der weitgehend aktuellen Geschichte wird ergänzt durch einen gesellschaftlichen Wandel, der im kleinteiligen Fichtenforst bis an das Gewässer nicht nur keinen wirtschaftlichen Mehrwert (mehr) sieht, sondern auch einen Nachteil (dauerhaft intensive Beschattung, Gefahr der Versauerung, ungeeignete Nadelstreu für die Lebewesen im Gewässer) für die ökologische Strukturierung von Tälern mit ihren kleinen Gewässern.

Der Blick und der Weg gehen heute und zukünftig hin zu offenen Tälern, zu weitgehend offenen Flächen als Chance für die Revitalisierung einer naturnahen Landschaft mit großer Artenvielfalt („Biodiversität“).

Das bundesweite Naturschutzgroßprojekt „Obere Ahr/Hocheifel“, das 2008 im Landkreis Ahrweiler für die Fläche der gesamten Verbandsgemeinde Adenau vom Bundesamt für Naturschutz, vom Land Rheinland-Pfalz und vom Landkreis Ahrweiler mit insgesamt etwa 11 Millionen Euro Investitionssumme auf den Weg gebracht worden ist, zeigt diesen Wandel in besonderes deutlicher Weise.

http://www.obere-ahr-hocheifel.de/

https://www.bfn.de/foerderung/naturschutzgrossprojekt/liste-laufender-vorhaben/ngp-lfd-wasser-steckbriefe/obere-ahr-hocheifel.html

Im Rahmen dieses Projektes wurde eine Fläche im Frauentalbach Nähe Leimbach Adorferhof erworben und die dort vorhandenen Fichten gerodet, so dass eine freie Wiesenfläche wie in den 1950er Jahren im Tal entstand.

Die Situation im Bereich des globalen Klimas und der damit zusammenhängenden anderen Faktoren (u.a. auch Standortfaktoren wie im Boden verfügbare Feuchtigkeit und Höhengrenzen für den Anbau) werden sich mittel- und langfristig auch auf Kulturen wie die Streuobstwiesen auswirken. Für die Eifel bedeutet das durch den Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur aller Wahrscheinlichkeit nach einen Zugewinn an Möglichkeiten, der Spreizung der Anbulturen. Die lokale Entwicklung von Klimafaktoren in einer Entfernung an Luftlinie von knapp 30 km im Campus Klein-Altendorf in der Nähe von Rheinbach ist sicher nur bedingt vergleichbar, zeigt aber gewiss die Tendenz (vgl. Grafik 3 und 4) auf.

Erste Gespräche über die Möglichkeit, die Fläche am Frauentalbach als Streuobstwiese über den Streuobstverein anzulegen und zu nutzen bzw. zu pflegen, erfolgen im Jahr 2017 zwischen Dr. Maria Dommermuth – Referentin bei der Kreisverwaltung im Projekt – und Winfried Sander, Geschäftsführer des Vereins. Die weitere Entwicklung der Gedanken innerhalb des Vereins und mit den Vertretern der Kreisverwaltung Ahrweiler und Rainer Müller, Leiter der dortigen unteren Naturschutzbehörde, führte letztlich in einer Mitgliederversammlung im frühen Herbst 2019 zu einem Beschluss der Mitglieder des Vereins zu einem längerfristigen Pachtvertrag (25 Jahre) der Fläche (etwa 5000 m2) mit dem Verein. Zudem wurde vereinbart, dass aus den Mitteln des Naturschutzprojektes die Materialien (30 Bäume mit je 4 Baumpfählen mit Wildschutzzaun vor Rotwild und je Baum ein Antiwühlmauskorb wegen festgestelltem Befall der Fläche mit Wühlmäusen) übernommen werden. Die personale Arbeit und die weitere Betreuung und Pflege wird vom Verein bzw. den Baumpaten geleistet und gesichert werden.