Informationen

Es gibt einen Newsletter für alle, die sich online über Streuobstwiesen und deren Pflege und Erhalt informieren wollen: Hochstamm-Deutschland e.V. – man baucht sich nur kostenlos anmelden. Darin finden sich nicht nur links zu Filmen sondern auch zu aktuellen Terminen. 

Schnell informiert mit fünf Filmen des BZL – Bundesinformationszentrums zur Pflanzung und Obstbaumschnitt 
Info für den Obstbaumschnitt pdf Info für den Obstbaumschnitt doc

 

Obstbäume pflanzen – Bestellaktion 2026

Der Streuobstverein „Eifel/Ahr e.V.“ organisiert auch 2026 wieder eine Sammelbestellung für Obstbäume für Privatpersonen und Gemeinden

Streuobstwiesen sind Lebensräume mit vielen Tier- und Pflanzenarten und tragen so zu einem Erhalt und zur Sicherung der Umwelt bei. Allerdings sind viele Obstwiesen und Gärten in unserer Region überaltert, der Bestand an Bäumen ist stark rückläufig.

Um Eigentümer zum Nachpflanzen oder zur Neuanlage von Obstwiesen zu ermutigen, führt der Streuobstverein „Eifel/Ahr e.V.“ auch in 2026 eine Sammelbestellung durch. Von Hochstamm und Halbstamm-Obstbäumen bis hin zum Busch ist alles dabei. Gerade für Allergiker sind alte Obstsorten gut verträglich – deshalb nicht die bekannten Sorten aus dem Supermarkt pflanzen, sondern alte Sorten (siehe BUND in Lemgo, Allergiker Liste).

Bitte Baumlisten zur Bestellung beim Verein Streuobst Eifel-Ahr anfragen
Die Angebots- und Preisliste sowie das Bestellformular werden ab jetzt per Mail zugesendet. Sollten Sie innerhalb von 3 Werktagen keine Antwort erhalten, melden Sie sich bitte erneut an den Verein (Ehrenamt). Achtung! Die Bestellung muss bis zum Samstag, 10. Oktober 2026 per Mail an info@streuobst-eifelahr.de gerichtet sein – es gibt keine Nachbestellungen.

 

 

Junge Bäume auf der Streuobstwiese
Streuobsttag

 

 

Baumschnittkurse durch den Streuobstverein

Eine der wichtigen Aktivitäten eines Vereins ist die Pflege von jungen und alten Bäumen, damit sie gesund bleiben sowie Obst tragen. Baumschnittkurse gehören zu dieser Pflegearbeit.

Ein kleiner Bericht von einem Kurs

Bei jedem Baumschnittkurs gibt es viele Fragen: Wie kann ich meinem Baum Gutes tun? Wie schneiden oder doch nicht schneiden? Beredte Antworten theoretischer und praktischer Art gab Hildegard Frings, Agraringenieurin und Gärtnerin aus Nettersheim beim Baumschnittkurs in Antweiler. Warum überhaupt schneiden, geht es nicht ohne? Klare Antwort von Frings: „Die Natur ist nicht darauf angelegt, dem Menschen möglichst viel schönes, großes Obst zu bescheren, sondern allein auf Fortpflanzung, auf Vermehrung – auch und gerade über kleine Früchte in großen Mengen, für den Menschen wirtschaftlich wenig interessant.“ Also macht sich der Mensch daran, die Menge über den Baumschnitt zu begrenzen, die Früchte somit zu vergrößern, sie für den Menschen nutzfähig zu machen. Eindeutiger Schluss: Wer das nicht will, der kann für die Natur, für die Vögel, für die Vermehrung viele Früchte am Baum zulassen, der braucht keinen Baumschnitt!

Egal ob der Baum 3 oder 70 Jahre alt ist – ganz wichtig für alle: Betrachten des Baumes von allen Seiten, Überlegungen anstellen, wie soll der Baum in 5 Jahren, 10 Jahren oder noch weiter hinaus aussehen? Schneiden heißt: Ich zwinge dem Baum ein Gesicht auf! Die Auffassung „besser falsch schneiden als gar nicht“, lässt Teilnehmer/in den Mut beim und zum Schnitt aufkommen. Auch wenn nicht alle mit dem „gemeinsamen“ Ergebnis am 10-jährigen Baum aus ästhetischen Gründen zufrieden waren, die Notwendigkeit zum Schnitt wurde eingesehen – das Ergebnis lässt sich in zwei bis drei Jahren sehen.

Neue Termine zum nächsten Baumschnittkurs

 

Lebensraum: Die Streuobstwiese – Paradies aus zweiter Hand

Die Streuobstwiese ist als traditionelle, arbeitsintensive Anbauform unter rein wirtschaftlichen Aspekten von heute sicher schon lange nicht mehr lohnenswert. Die immer stärkere Intensivierung in der europäischen Landwirtschaft hat zu einem monokulturellen Obstanbau in Plantagen geführt. Preislich günstigeres Importobst aus teils weit entfernt liegenden Regionen der Welt verdrängt einheimisches Obst aus regionalem Anbau und führt zu mangelnder Rentabilität von Streuobstwiesen. Unser zwischenzeitliches Konsumverhalten mit der Erwartung von äußerlich und damit optisch makellosem und gleichmäßigem „Obst im Sechserpack“ aus dem Supermarkt lässt das natürlich und damit ungleich gewachsene Obst der Streuobstwiesen dagegen verblassen. Daher ist der Bestand an Streuobstwiesen in Deutschland seit 1951 um etwa 75% zurückgegangen. Streuostwiesen stehen heute auf der Roten Liste der am stärksten gefährdeten Biotop-Typen in Europa. Neben der großen sozialen und landschaftsprägenden Bedeutung bieten sie insbesondere mit ihrem speziellen Lebensraum einen sog. „Trittstein“ für zahlreiche gefährdete Tierarten. Zudem sind die alten Obstsorten ein wichtiges Kulturerbe, das es zu erhalten gilt – wenn wir denn an der Wiederherstellung bzw. am Erhalt eines gut funktionierenden Ökosystems wirklich Interesse haben.

 Eigentlich aber gar keine Frage, denn wohl oder übel sind wir alle in die Mensch-Umweltbeziehung eingebunden: Jeder Schaden, den wir unserem Mensch-Umwelt-System   zufügen, fällt über kurz oder lang auf uns zurück, in welcher Form auch immer!

Mit Blick auf das Artensterben – speziell auf die Insekten – ist die Streuobstwiese sicher nur ein kleiner, aber ganz wichtiger Ausschnitt aus dem Spektrum der Gegenmittel.

Überwiegend legen Grundstückseigentümer oder Pächter heute einzelne Obstbäume oder kleinere Streuobstwiesen nur noch im kleinen Rahmen an und wollen das Obst für den Eigenbedarf ernten: manchmal nur zum Essen, zur Herstellung von Gelees, zum Saftpressen oder zur Herstellung von Obstbränden. Schon lange ist klar, dass Streuobst bzw. eine neu angelegte Streuobstwiese nur Zukunft hat, wenn zumindest eine „kleine“ wirtschaftliche Nutzung entwickelt wird. Zahlreiche Streuobst-Initiativen basteln seit Jahren an Plänen, wie sie die Bewirtschaftung, Verwertung und Vermarktung von Streuobst wieder attraktiv machen können. Bisher zeichnen sich nur bescheidene Erfolge ab. Für die (Neu-)Anlage und die Erhaltung der Streuobstwiesen sind nach wie vor finanzielle Hilfen von außen notwendig: Naturschutz-Organisationen, Fördermittel der Länder sowie private Spenden und helfende Hände aus den umliegenden Dorfgemeinschaften sowie umweltpädagogische Veranstaltungen machen die Pflege und Neuanpflanzung von Obstbäumen erst möglich.

Obstanbauer Helmut Krüger aus Ahrbrück/Ahr klärt auf … draußen und drinnen!

 

Die Streuobstwiese: Tummelplatz der Artenvielfalt

Ältere Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen ganz Mitteleuropas. Sie bieten beste Voraussetzungen für eine hohe Artenvielfalt. Die Nährstoffknappheit durch die fehlende Düngung und die nur zwei Mal im Jahr stattfindende Mahd bewirkt, dass keine Pflanzenart überhandnehmen kann. So können zahlreiche Arten nebeneinander existieren. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten können auf einer Streuobstwiese festgestellt werden. Je nach Bodentyp kommen ganz unterschiedliche Pflanzengesellschaften vor. Die vielen unterschiedlichen Pflanzenarten locken wiederum viele Tierarten an: Insekten, kleine Säugtiere, Amphibien und Reptilien. So reiht sich ein Kleinbiotop an das andere. In der „oberen Etage“ bieten die verstreut stehenden Obstbäume verschiedenen Tierarten Unterschlupf. Typische Vogelarten sind Steinkauz oder Grün- und Buntspecht. Im alten, knorrigen Obstbaumgehölz finden auch Fledermäuse und Siebenschläfer Unterschlupf, unter den Rindenritzen im Baumstamm können sich Hornissen einnisten.

Blindschleiche
Blindschleiche
Totholzhaufen
Totholz als Nistplatz

 

Produkte von der Streuobstwiese

Streuobstwiesen gelten als Art „Arche Noah“, also als eine Art „Überlebensinsel“ für alte Obstsorten. Mehr als 1200 Apfelsorten, 1000 Birnensorten, 250 Kirschsorten und 320 Zwetschgensorten sind bekannt – nur ganz wenige sind im Handel zu finden. Sie schmecken nicht nur wunderbar aromatisch, sondern tragen auch noch so einprägsame Namen wie „Schafsnase“, „Gute Luise“ oder „Lederhosenbirne“. Auch die Walnuss und der Speierling sind typische Streuobstwiesenvertreter, nicht zu vergessen die Traubenkirsche. Über Jahrhunderte haben sich durch Kreuzungsversuche oder Zufallssämlinge Sorten entwickelt, die einen besonders guten Geschmack oder andere Vorteile hatten. Manche Sorten eignen sich vorzüglich als Tafelobst, andere sind besonders resistent gegen Pilz- und Schädlingsbefall. Manche sind sehr gut lagerfähig, manche für die Herstellung von Marmeladen oder Gelees bestens geeignet, andere sind ideal als Belag für Kuchen oder zur Herstellung von Most. Neben all dem Obst ist auch Honig ein typisches „Neben“-Produkt der Streuobstwiese. Gerne bauen Imker ihre Bienenvölker, die vor allem auf die Apfelblüte „fliegen“, neben einer Streuobstwiese auf.

 

Hat die Streuobstwiese eine Zukunft?

Ob Streuobstwiesen eine Zukunft haben, hängt maßgeblich davon ab, ob genug Menschen dazu bereit sind, Zeit und Energie in die Pflege zu investieren. Dazu gehört der fachgerechte Baumschnitt. Der ist notwendig, sonst vergreisen die Bäume früh. Zweimal pro Jahr muss gemäht und das Obst im Herbst geerntet werden. Was früher selbstverständlich war, ist heute zur zeitintensiven und unrentablen Herausforderung geworden. Doch mittlerweile besinnen sich wieder viele Menschen auf den Wert regionaler Erholungsräume. In einigen Städten gibt es inzwischen Streuobsterlebniszentren oder Streuobstpfade. Manche Schulen legen neben ihren Schulgärten inzwischen auch Streuobstwiesen an. Nur wenn das Wissen um die Bedeutung und Pflege dieser wertvollen Biotope auch den nächsten Generationen erhalten bleibt, hat die Streuobstwiese auch in Zukunft eine reale Chance zum Erhalt in unserer Kulturlandschaft.

 

Paradies aus zweiter Hand

– Vom Fichtenforst zur Streuobstwiese in Leimbach-Adorferhof –

Das Projekt zum Standortmarketing in der Verbandgemeinde Adenau hat im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts eine Gruppe von Menschen in der Hocheifel zusammengebracht, die großes Interesse an der Entwicklung ihres Heimatraumes als Natur- und Kulturraum hatte.

Aus dieser Gruppe heraus kam der Vorschlag zu Gründung eines Vereins, der sich um Streuobstwiesen, die es in einzelnen Orten in der Hocheifel verstärkt an der Ahr gibt, u.a. in Insul und in Antweiler. Höhenlage, Klima, Boden und Relief befördern nicht gerade Streuobstwiesen in großem Stil. Einzelne Bäume und Baumgruppen, vor allem mit Apfelbäumen, setzen Akzente in der Landschaft. Die Eifel hatte ehemals den Beinamen oder Spottnamen „Sibirisch Preußen“ von den damals aus Berlin abkommandierten Militärs bekommen. Und das weniger wegen des Klimas, sondern wegen der Abgelegenheit von der mondänen und dann doch so fernen Metropole Berlin – und mithin dem Mangel an kulturellem Leben im Vergleich von großstädtischem und ländlich-dörflichem Verhalten in der Provinz!

Auch nach dem zweiten Weltkrieg zeichnete sich die dörfliche Wirtschaftsstruktur in der Hocheifel durch kleine „Bauernhöfe“ mit kleinteilig parzelliertem Ackerbau und etwas Tierhaltung aus. Die Nutzung von im Wesentlichen mit Fichten bestanden und ererbten, kleinen Flächen ergänzte das karge Einkommen bzw. ergab Nutzholz zum Verfeuern in den vielen Holzöfen – bis heute ein wichtiger Bestandteil in vielen (älteren) Häuser in der Hocheifel. Die Anpflanzung von weiteren Flächen mit Fichte war in den 1950er Jahren Teil der (vermeintlichen) Zukunftssicherung für die Kinder und Enkel.

Die heute 50 bis 60-jährigen Bäume an für die Fichte meist ungünstigen Flächen in den Talauen sind für die Erben in der Eifel eben keine Zukunft geworden, zumal auch die Enkel in dieser Form der Zu- oder Nebenerwerbswirtschaft keine Zukunft sehen (können) – der Klimawandel trägt sicher seinen Teil zu der ungünstigen Entwicklung in den letzten Jahren beim Nadelholz bei.

Dieser Teil der weitgehend aktuellen Geschichte wird ergänzt durch einen gesellschaftlichen Wandel, der im kleinteiligen Fichtenforst bis an das Gewässer nicht nur keinen wirtschaftlichen Mehrwert (mehr) sieht, sondern auch einen Nachteil (dauerhaft intensive Beschattung, Gefahr der Versauerung, ungeeignete Nadelstreu für die Lebewesen im Gewässer) für die ökologische Strukturierung von Tälern mit ihren kleinen Gewässern.

Der Blick und der Weg gehen heute und zukünftig hin zu offenen Tälern, zu weitgehend offenen Flächen als Chance für die Revitalisierung einer naturnahen Landschaft mit großer Artenvielfalt („Biodiversität“).

Das bundesweite Naturschutzgroßprojekt „Obere Ahr/Hocheifel“, das 2008 im Landkreis Ahrweiler für die Fläche der gesamten Verbandsgemeinde Adenau vom Bundesamt für Naturschutz, vom Land Rheinland-Pfalz und vom Landkreis Ahrweiler mit insgesamt etwa 11 Millionen Euro Investitionssumme auf den Weg gebracht worden ist, zeigt diesen Wandel in besonderes deutlicher Weise.

http://www.obere-ahr-hocheifel.de/

https://www.bfn.de/foerderung/naturschutzgrossprojekt/liste-laufender-vorhaben/ngp-lfd-wasser-steckbriefe/obere-ahr-hocheifel.html

Im Rahmen dieses Projektes wurde eine Fläche im Frauentalbach Nähe Leimbach Adorferhof erworben und die dort vorhandenen Fichten gerodet, so dass eine freie Wiesenfläche wie in den 1950er Jahren im Tal entstand.

Die Situation im Bereich des globalen Klimas und der damit zusammenhängenden anderen Faktoren (u.a. auch Standortfaktoren wie im Boden verfügbare Feuchtigkeit und Höhengrenzen für den Anbau) werden sich mittel- und langfristig auch auf Kulturen wie die Streuobstwiesen auswirken. Für die Eifel bedeutet das durch den Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur aller Wahrscheinlichkeit nach einen Zugewinn an Möglichkeiten, der Spreizung der Anbulturen. Die lokale Entwicklung von Klimafaktoren in einer Entfernung an Luftlinie von knapp 30 km im Campus Klein-Altendorf in der Nähe von Rheinbach ist sicher nur bedingt vergleichbar, zeigt aber gewiss die Tendenz (vgl. Grafik 3 und 4) auf.

Erste Gespräche über die Möglichkeit, die Fläche am Frauentalbach als Streuobstwiese über den Streuobstverein anzulegen und zu nutzen bzw. zu pflegen, erfolgen im Jahr 2017 zwischen Dr. Maria Dommermuth – Referentin bei der Kreisverwaltung im Projekt – und Winfried Sander, Geschäftsführer des Vereins. Die weitere Entwicklung der Gedanken innerhalb des Vereins und mit den Vertretern der Kreisverwaltung Ahrweiler und Rainer Müller, Leiter der dortigen unteren Naturschutzbehörde, führte letztlich in einer Mitgliederversammlung im frühen Herbst 2019 zu einem Beschluss der Mitglieder des Vereins zu einem längerfristigen Pachtvertrag (25 Jahre) der Fläche (etwa 5000 m2) mit dem Verein. Zudem wurde vereinbart, dass aus den Mitteln des Naturschutzprojektes die Materialien (30 Bäume mit je 4 Baumpfählen mit Wildschutzzaun vor Rotwild und je Baum ein Antiwühlmauskorb wegen festgestelltem Befall der Fläche mit Wühlmäusen) übernommen werden. Die personale Arbeit und die weitere Betreuung und Pflege wird vom Verein bzw. den Baumpaten geleistet und gesichert werden.